Neuer Leitfaden zur Baulandmobilisierung und Leerstandaktivierung

LHStv. Gruber, LR.in Lagger-Pöllinger: Problematik der Baulandhortung und des Leerstands entgegenwirken – Praxisnahe Hilfestellung für Kärntner Gemeinden – Vermeidung von Zersiedelung und sparsamer Umgang mit Grund und Boden – Weiterer Fördercall zur Orts- und Stadtkernbelebung angekündigt

KLAGENFURT. Bauland, das seit Jahrzehnten gewidmet ist, aber nicht bebaut wird, sowie leerstehende Gebäude in den Ortszentren stellen viele Gemeinden vor Herausforderungen. Um ihnen dabei eine Hilfestellung anzubieten, legte Raumordnungsreferent und Landeshauptmann-Stellvertreter Martin Gruber in der Regierungssitzung heute, Dienstag, gemeinsam mit Gemeindereferentin LR.in Marika Lagger-Pöllinger einen Leitfaden zur Baulandmobilisierung und Leerstandaktivierung vor. „Wenn Ortskerne verwaisen, bleibt nicht nur Raum ungenutzt, es geht auch Lebensqualität verloren. Wo früher Menschen eingekauft und einander getroffen haben, herrscht heute oft Stille. In ländlichen Gemeinden und Regionen zeigt sich diese Entwicklung sogar besonders deutlich. Die Folgen sind Abwanderung, Zersiedelung und leider auch wirtschaftlicher Stillstand. Dem müssen und wollen wir entgegenwirken“ betont Gruber.

„Grund und Boden sind begrenzt. Gleichzeitig brauchen unsere Gemeinden Raum, um sich weiterzuentwickeln. Beides lässt sich verbinden, wenn wir die vorhandenen Potenziale besser nutzen. Leerstehende Gebäude, Baulücken und bereits gewidmete Flächen bieten hierfür zahlreiche Möglichkeiten. Der neue Leitfaden gibt den Gemeinden eine praxistaugliche Hilfestellung, um diese Potenziale für die Entwicklung vor Ort zu nutzen. So stärken wir unsere Ortskerne und schaffen neue Perspektiven, ohne immer neue Flächen in Anspruch nehmen zu müssen“, betont Gemeindereferentin Lagger-Pöllinger.

Eine sparsame Verwendung von Grund und Boden sei in den Kärntner Gemeinden bereits jetzt Usus. „Kärnten hat in den letzten drei Jahren in Relation zur Landesfläche die geringste Umwidmungsfläche seit Jahrzehnten vorzuweisen“, legt Gruber dar. Das Problem von Leerstand, Baulandhortung oder Zersiedelung bestehe aber dennoch. „Wir müssen also den Blick verstärkt auf jene Flächen und Gebäude richten, die bereits vorhanden sind, aber derzeit nicht genutzt werden“, betont Gruber. Gemeinden, Eigentümer und Betriebe sollen also unterstützt und motiviert werden, bereits gewidmetes Bauland zu mobilisieren und Leerständen zu reaktivieren. „Jede ungenutzte Fläche, die sinnvoll aktiviert wird, und jede Immobilie, die wiederbelebt wird, ist am Ende ein Gewinn für die gesamte Region und für das Bundesland Kärnten“, so der Landeshauptmannstellvertreter.

Der vorgelegte Leitfaden ist in einem mehrjährigen Prozess unter Einbindung von Expertinnen und Experten aus der Raumplanung sowie praxiserfahrenen Gemeindemitarbeiterinnen und -mitarbeitern entstanden. Es geht dabei um eine konkrete Schritt-für-Schritt-Anleitung, was von Gemeindeseite aus zu tun ist: bestehende Problemlagen zu identifizieren, ungenutzte Potenzialflächen und Gebäude zu ermitteln und Nutzungsmöglichkeiten zu erarbeiten. Andererseits zeigt der Leitfaden auch anschaulich auf, welche Werkzeuge sich bereits jetzt in der Werkzeugkiste der Raumordnung befinden – von der Orts- und Stadtkernverordnung über eine Bebauungsfrist bis hin zur befristeten Festlegung als Bauland.

Im Mittelpunkt steht der Grundsatz der „Innen- vor Außenentwicklung“. Bei der Innenentwicklung werden Brachflächen, Baulücken, Nachverdichtungsflächen sowie leerstehende Gebäude im Zentrum eines Ortes behutsam und verträglich genutzt. Dadurch können Ortszentren belebt werden und Acker- und Grünlandflächen außerhalb der Ortskerne zur standortrelevanten Lebensmittelversorgung bleiben erhalten. Auch bestehende Gebäude haben dabei einen besonderen Wert: Neben den vorhandenen Materialressourcen und der darin gespeicherten sogenannten grauen Energie sind sie vielfach Teil der identitätsstiftenden Baukultur eines Ortes. Wenn sie über längere Zeit ungenutzt bleiben und nicht saniert werden, schreitet der Verfall voran und die notwendigen Sanierungsmaßnahmen werden zunehmend aufwendiger und kostenintensiver.

Eine wesentliche Rolle spiele daher auch die Einbindung der Bevölkerung und insbesondere der Eigentümerinnen und Eigentümer von unbebauten Flächen und leerstehenden Gebäuden. Zu diesem Zweck hat das Land Kärnten heuer bereits zwei EU-kofinanzierte Förderprogramme zur Orts- und Stadtkernbelebung sowie zur Leerstandaktivierung abgewickelt und insgesamt rund 1,4 Millionen Euro an Förderungen ausbezahlt. „Wir werden heuer noch einen weiteren Fördercall dazu starten, mit einem Budget von rund einer halben Million Euro“, kündigte LHStv. Gruber nach der Regierungssitzung an. „Klar ist, sowohl Baulandmobilisierung als auch Leerstandaktivierung brauchen langfristige Strategien. Aber es ist wichtig, hier gemeinsam ins Tun zu kommen. Denn es geht darum, unsere Orte und unsere Heimat lebenswert zu halten.“

Quelle: Büros LH-Stv Gruber, LRin Lagger-Pöllinger
Foto: Kärntner Volkspartei (Beispielfoto)